Eingangsbereich
Architektonische Gliederung und Baugeschichte
Wenn man die Heilig-Kreuz-Kirche durch den Haupteingang betritt,
bietet sich ein überraschender Anblick:
hinter der barocken Fassade von 1713 öffnet sich ein mittelalterlicher Kirchenraum,
der auf das späte 11. Jahrhundert zurückgeht.
Er besteht aus einem hohen Mittelschiff und zwei Seitenschiffen.
Das rechte, südliche Seitenschiff hat seine mittelalterliche Gestalt bewahrt,
das linke, nördliche Seitenschiff ist ein barocker Neubau (1706) anstelle des damals abgerissenen mittelalterlichen Seitenschiffs.
Mittelschiff und Seitenschiffe sind durch Rundbögen, die auf gemauerten Pfeilern aufliegen, verbunden: der Bautyp einer frühromanischen Pfeilerbasilika.
Vor dem Übergang zur Vierung, dem zentralen Bereich, in dem heute der Hauptaltar steht,
fällt der zweite gemauerte Bogen unter dem hohen Vierungsbogen auf:
Er lässt - zusammen mit der Massigkeit des Baus insgesamt – erahnen, dass der Kern des Kirchenbaus ursprünglich ein Wehrgebäude war:
ein Torbau innerhalb der Stadtbefestigung, die unter Bischof Bernward (gest. 1022) angelegt wurde.
Ausgrabungen in der Kirche haben die Fundamente des ursprünglichen, quadratischen Torbaus als Kern der Kirche zu Tage gebracht, auch Spuren der Straße, die einmal hindurchführte. Der Grundriss ähnelt dem eines römischen Stadttores in Köln.
Offensichtlich wurden die Stadtplanung, das Befestigungssystem und die Straßenführungen
im Laufe des 11. Jahrhunderts verändert, so dass unter den Bischöfen Godehard (gest. 1038) und Hezilo (gest. 1079), dieser Torturm zur Kirche eines neugegründeten Stiftes, einer klösterlichen Gemeinschaft von Geistlichen, umgebaut werden konnte.
Eine Hildesheimer Chronik aus dieser Zeit spricht davon, dass unter Hezilo ein „ehemaliges Kriegshaus“ in ein „Friedenshaus“ verwandelt wurde.
An diesen Kernbereich des früheren Befestigungsturmes wurden im Osten ein Querschiff und der Chor für den Gottesdienst der Stiftsherren angebaut.
Es ergibt sich nun ein kreuzförmiger Grundriss. Auf der anderen Seite wurde dem dreischiffigen Innenraum ein Westwerk, ein Eingangs- und Turmgebäude, vorgesetzt.
Heute ist das Westwerk ganz in den Innenraum einbezogen und beherbergt die Orgelempore.
Die Heilig-Kreuz-Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen und Umbauten erfahren.
Besonders einschneidend waren die barocken Um- und Anbauten im 17. und 18. Jahrhundert
und die Neuausstattung und Neuausmalung des Innenraums im neoromanischen Stil des späten 19. Jahrhunderts.
Das Stift wurde 1830 aufgelöst. Die Kirche ging in den Besitz der Klosterkammer Hannover über und wurde der Gemeinde als Pfarrkirche überlassen.
Beim großen Bombenangriff auf Hildesheim im März 1945 wurde die Kirche fast völlig zerstört.
Beim Wiederaufbau (1947-1958) hat man versucht, dem Innenraum seine „ursprüngliche“ mittelalterliche Gestalt zurückzugeben.
Beim nördl. Seitenschiff, dem Neubau von 1706, wurde jedoch die barocke Gestaltung rekonstruiert.
Autor: Hartmut Schulz






